Architektur im Nebel Teil II und Karibisches Fahrwasser Teil I

Von Palenque nach Tikal, weiter über Rio Dulce nach Livingston.

Sieht man sich die Strecke von Palenque nach Tikal naiverweise auf der Landkarte an, so möchte man meinen, dass sich die Strapazen im Rahmen halten könnten; Ist man erst mal auf der Piste, und es ist zum Gutteil wirklich eine Erdpiste, so wollen die Kilometer einfach nicht vorübergehen… Dabei wird seitens der Behörden aber auch streikender Fuhrwerker im Grenzgebiet für reichlich Abwechslung gesorgt, was im ersten Fall mit dem Rausrücken einiger Dollarscheine und im zweiten Fall mit Geduld und Spucke zu bewerkstelligen ist. Es ist heiß, schwül und im Endeffekt hat es wohl nicht ganz soviel Sinn mit den Zollbeamten zu diskutieren, wohlwissend dass man “recht” hätte, sofern die geschriebenen Gesetze zur Anwendung kämen.

Das war für ein paar Stunden der Blick aus dem Fenster; was auf den ersten solchen eine recht ansprechende Landschaft zu sein scheint, entpuppt sich mit ein bisschen Hintergrundinformation als totes Fleckchen Erde, verglichen mit dem üppigen tropischen Regenwald, der hier noch vor etwa einem Jahrzehnt gedieh. Profit aus dem Holz und in der Folge ein paar Rinder – so siehts aus, leider.

R0012909 (640x366)

R0012910

Mit diesem Schiffernakel sind wir auf dem rio usumacinta, dem Grenzfluß zwischen Mexiko und Guatemala, entlanggefahren; hier im Bild die guatemaltekische, recht naturbelassene Anlegestelle.

DSC_0811

Die bunten Betonkästen stellen einen Friedhof irgendwo in Guatelmala dar, wobei der Busfahrer diese Sehenswürdigkeit nicht als solche erkannte und dementsprechend aus dem sich bewegenden Vehikel geschossen wurde.

R0012925

Nach Einbruch der Dunkelheit sind wir in El Remate angekommen, jener kleinen, netten Ortschaft in welcher man übernachtet um am nächsten Morgen – ebenfalls bei Dunkelheit – zu den Ruinen von Tikal aufzubrechen. Wir sind übrigens nicht mehr zu zweit; es hat sich “Angela”, eine nette kleine Chinesin uns angeschlossen, die die folgenden Tage mit uns verlebt, für große Heiterkeit aber auch entspannte Rücken gesorgt hat.

Tikal also, jene Mayastätte die laut Jörg, dem Experten in Sachen Mayakultur, eine der sehenswertesten, ja wenn nicht die sehenswerteste Ausgrabungsstätte darstellt. So bin ich voller Neugierde und großer Erwartungshaltung in diesen Tag gegangen und kann behaupten – recht hat er. Nicht nur die Ausmaße des Areals und der Tempel sind enorm, auch die wunderschönen Morgennebel und die phantastische Ruhe, welche um diese frühe Tageszeit zu genießen ist, haben mich stark beeindruckt. Aber seht selbst, wie ich den Platz vorgefunden habe, auf dem das spirituelle Leben Tikals stattgefunden haben mag.

DSC_0896

Die Ceiba, der heilige Baum der Maya und hier der mächtige Wächter an den Pforten Tikals… (rechts der kleine Jörg, und links im Bild der schmale Gerhard)

R0012942

Vor dem großen Tempel des Jaguars, der das männliche verkörpert, bin ich schier ewig gesessen und habe den Platz und die Stimmung genießen können…

R0012934

ihm gegenüber der weibliche Gegenpart…

R0012948

Diesen kleinen Tempel konnten wir über eine schwindelerregende Holzkonstruktion erklimmen und den wunderschönen und phantastischen Ausblick über das Blätterdach genießen, aus dem sich da und dort graues Mauerwerk gegen Himmel erhebt. Angesichts der Szenerie kann man nur sitzen und staunen…

DSC_1043

R0012967

Neben all den eindrucksvollen Bauwerken gibts natürlich jede Menge Natur zu genießen, die sich hier in Zentralamerika von Ihren extremen Seiten zeigt… so wie eben alles hier extrem ist… und nachdem el Jörg schon zu Xten mal in Tikal ist kennt er auch ein paar nette verborgene Wege durchs Gehölz, auf denen man vorbei an Riesenwurzeln und geheimnisvollen Baumkreaturen wandert…

P1090132 P1090124_2

Ein Urwaldriese und ein Scherbaum in Harmonie und Einklang…

R0012996 (640x480)

Eine Horde Nasenbären ständig auf der Suche nach Essbarem; Die sind wohl Artverwandt mit Balu, Katharinas Hund, der ja erstens nach einem Bären benannt ist und zweitens – wie seine Freunde hier – ein kleiner Nimmersatt ist und drum auch neuerdings “Balutschinke” genannt, der Form halber… ;-)

Nach zwei Nächten in El Remate fanden wir uns wieder auf der Straße wo schon bald ein Busfahrer beschloß uns mit zu nehmen; Richtung Rio Dulce, und an dieser Stelle möchte ich nicht verbergen wie aufgeregt ich war bzw. mit welch großen Erwartungen dieses Reiseziel meinerseits beladen war. Rio Dulce ist auch bekannt als der Hurrikane sichere Hafen der Karibik, in dessen Marinas unzählige Segelyachten liegen; diesem Umstand verdanke ich meinen Plan hierher zu kommen um mit der Seglecommunity in Kontakt zu treten und mein Glück zu versuchen, auf einer der hübschen Yachten anzuheuern und mein Segelabenteuer zu starten. Während Jörg mit Angela bereits den Weg nach Livingston angetreten haben, bin ich zwischen den Marinas herumspaziert, damit beschäftigt meine Inserate auf die schwarzen Bretter zu heften und mit diesem und jenem Seemann einen Kaffee zu trinken. Auf meine Frage wie denn am besten vorzugehen wäre, konnten mich auch Sprüche wie “grow yourself some tits, and you are where you wonna go!” nicht abhalten meine Mission fort zu setzen, und so endete ich am Abend mit einigen Selglern in Brunos Marina bei Bier und fachgesimple über Routen und Selgeltrimm. Ich habe mich gleich wohl gefühlt zwischen all den Bärtigen und ein paar nette Kontakte schließen können, was fürs erste auch das Ziel der Mission war – denn sofort sollte ohnehin nichts starten, da ich vorerst die bay islands vor Hunduras unsichermachen wollte.

Als ich am nächsten Morgen in der Lancha (=Motorboot) nach Livingston saß, um die beiden Freunde einzuholen, fühlte ich mich angesichts des ersten Teilerfolges in Sachen Segeln angenehm entspannt und voller Zuversicht, dass sich innerhalb der nächsten Wochen jemand bei mir melden würde, um mit mir durch die Karibik zu schippern…

R0013008

Für diese Gelegenheit kam ich leider drei Tage zu spät an, da sich bereits ein amerikanisches Pärchen gemeldet hatte… (eh besser, da ich sonst ganz schnell ein Visum für die USA besorgen hätte müssen ;-)

R0013016

Boote wohin das Auge reicht…R0013023

Scherbaum meets Einbaum…

Der Weg nach Livingston führt über den Rio Dulce, wobei Livingston mein erster Kontakt mit karibischem Lifestyle, und noch wichtiger – der karibischen See sein sollte. Viel gibts von nicht zu berichten; wir waren auch nicht lange dort, da sich der Himmel über unsere Ankunft gar nicht so gefreut hat und solange weinte bis wir nach zwei siffigen Nächten das weite suchten; Honduras als nächstes Ziel stiegen wir früh morgens in ein Boot das uns diesem Land einen Schritt näher bringen sollte…

4 Kommentare

Eingeordnet unter Guatemala

4 Antworten zu Architektur im Nebel Teil II und Karibisches Fahrwasser Teil I

  1. Arthur

    Hi Gerdschi! Ich lese deine erfreulicherweise regelmäßige erscheinenden und ausführliche Berichte hier immer mit großem Interesse und wünsche dir auf diesem Wege ein schönes neues Jahr – feliz año nuevo (?) – aus der kalt-trüben Heimat!

  2. Chrischi

    Ola Gerard !
    Bist immer noch einer der besten Poser auf Fotos die ich kenne ;)
    Aber echt coole Pics.
    Heut wieder 1.Arbeitstag nach Weihnacnten und Silvester – PFUUIII !

    Lg Chrischi

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s